Kirche Obernzell

Altar von Empore aus gesehen

Beschreibung

Die Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Obernzell ist ihrer Grundhaltung nach ein kreuzförmig angelegter Zentralbau. Man betritt das Gotteshaus und steht sofort im Mittelpunkt eines hellen und breiten Raumes, dessen großer, rechteckiger Mittelteil von einer Flachkuppel überwölbt wird. An allen vier Ecken bemerken wir mächtige Pilaster und Kapitellen, in denen die Akanthusblätter des korinthischen mit den Voluten des ionischen Stils vereinigt sind. Durch darüberhinauslaufendes Gebälk sind die Pilaster miteinander verbunden.

Der Chorraum wird von einem querstehenden Rechteck gebildet, über dem sich ebenfalls ein flaches Gewölbe erhebt. Eine große, flache Rundbogennische in der Ostwand wird völlig vom Hochaltar und seinem Aufbau ausgefüllt. Ein ähnliches Rechteck an der Rückseite enthält die zweistöckige Empore.

 

 

 

Die beiden Seitenwände sind nach Norden bzw. Süden ausgebuchtet und schaffen so Raum zur Aufnahme der Seitenaltäre.

Sofort ins Auge fallend ist die außergewönliche Harmonie der Maße. Wie Nachmessungen ergaben, ist die größte Breite des Raumes (23,20 m) tatsächlich gleich seiner Höhe bis zum Gewölbescheitel. In ähnlich verblüffender Weise harmonieren auch fast alle anderern Maße.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar (Nordseite)

Dieser Seitenaltar stammt aus der Erbauungszeit der Kirche und ist sicherlich ein Werk des Augustin Franz Kämpfl. - Die Anlage besteht aus Stuck-Marmor, die beiden Säulen aus echtem grauem Marmor.

 

Der rechte Seitenaltar (Südseite)

Er entspricht genau dem gegenüberliegenden Altar und ist ebenfalls ein Werk Kämpfls. Der Aufbau besteht aus Stuck-Marmor, die beiden Sälen sind auch hier aus echtem Marmor. Links daneben befindet sich der über 700 Jahre alte Taufbrunnen.

 

 

 

 


 

Blick zur Orgel

Die Westseite des Gotteshauses wird von einer zweistöckigen Empore und der Orgel eingenommen. Es dominieren klare, fast schlichte Linien und auch der aus der Erbauungszei stammende weiße Stuckdekor der Brüstungen ist sehr dezent und geschmackvoll gehalten.

In der Verlängerung des Mittelganges - zwischen den beiden Türmen - befindet sich seit 1896 eine Lourdes-Kapelle.

In einer Nische auf der rechten Seite der Rückwand ist ein aus der Barockzeit stammenden Heiland im Kerker, lebensgroß, zu beachten.

 

 

 

 

 

Der Hochaltar

Der Gesamtaufbau des Hochaltars, der sich ausgezeichnet in die halbrunde Nische der Ostwand einfügt, ist ein Werk des Augustin Franz Kämpfl. Er besteht teils aus echtem, teils aus Stuckmarmor und ist in grauen und rötlichen Farbtönen gehalten. Das von einem Baldachin überragte Altargemälde, eine Arbeit des Tiroler Malers Paul Troger, zeigt und die Himmelfahrt Mariens: Oben die von jubilierenden Engenl umgebene Gottesmutter, unten - um den leeren Sarkophag versammelt - die Apostel in verzückter Haltung.

Links und rechts je zwei Säulen aus rotem Marmor. Über ihren Kapitellen sind sie durch ein geschwungenes Gebälk miteinander verbunden. Über diesem Gebälk, auf Wolken thronend und von Engeln umgeben: Links Christus (Gott Sohn) mit dem Kreuz, rechts Gott Vater mit der Weltkugel (beide aus weißem Stuckmarmor). - Zwischen beiden - vor dem gelbgefärbten, ovalen Fenster - die von einem Strahlenkranz umgebene Taube, das Symbol des Heiligen Geistes. So ist über dem Hochaltar die Heilige Dreifaltigkeit vereint.

 

 

 

Stilistisch

Stilistisch ist die Obernzeller Pfarrkirche ein Werk des frühen Rokoko. Interessanterweise machen sich aber bereits Züge des Klassizismus bemerkbar, obwohl dieser im allgemeinen erst etwas später in Mode kommt. Es müssen also Künstler am Werk gewesen sein, die ihre Hand sehr wohl am Pulsschlag der Zeit hatten und die sehr schnell auf alle neuen Gedanken und Anregungen reagierten.

Frühes Rokoko sind deutlich die Altäre (mit Ausnahme der Sälen), vor allem die Umkränzungen und Bekrönungen aller Bilder und des Tabernakels. Ferner die Kanzel und der Stuckdekor der Wäde und Decken. - Klassizistische Einflüsse zeigen sich in den Pilastern und ihren Kapitellen, den Sälen der Altaraufbauten und dem reinen Weiß der Figuren.