Werdegang der Pfarrei Schaibing

 

 

 

Im Herbst 1915 erhielten die Pfarrämter von Hauzenberg und Untergriesbach vom Bischöflichen Ordinariat Passau und von der Regierung von Niederbayern die Anregung, sich auf die Einrichtung einer neuen Seelsorgestelle im Graphitgebiet um Kropfmühl zu besinnen.

Diese Anregung greift der im April 1915 mit der Pfarrei Untergriesbach betraute Pfarrer Josef Fritsch auf, da er bald sieht, dass die Betreuung der großen Pfarrei bei den gegebenen Verkehrsmöglichkeiten schwierig ist.

Zunächst freilich hindert der erste Weltkrieg der Gründung einer neuen Seelsorgestelle. Auch gehen die Meinungen auseinander, ob das Dorf Leizesberg, wo sich bereits eine größere Kapelle mit einem schönen Altar befindet, oder der Schulort Schaibing Sitz der neuen Seelsorgestelle werden soll. Schließlich fällt die Wahl auf Schaibing.

Vier Jahre nach Kriegsende gründet Pfarrer Fritsch die Kirchenstiftung Schaibing mit einem Stiftungskapital von einer Million damaliger Papiermark. Die Stiftung erhält am 17. August 1923 die Genehmigung durch das Staatsministerium für Unterricht und Kultus.

Im Jahre 1926 vermachen die Geschwister Otto und Ottilie Steil, wohnhaft in Schaibing, ihr Anwesen mit Gebäuden, Äckern, Wiesen und Wald der Kirchenstiftung Schaibing. Zwei Zimmer des "Steil-Hauses" werden als Gottesdienstraum hergerichtet. Am 31. August 1926 kann Pfarrer Fritsch hier die erste heilige Messe feiern. Von nun an werden durch die jeweiligen Katecheten wöchentlich Schulmessen gehalten. Im Herbst 1934 ist das "Steil-Haus" so baufällig, dass man eine neue Lösung suchen muß.

Da der Bau einer Kirche noch nicht möglich ist, geht man an die Errichtung einer Notkirche aus Holz. Die Pläne hierfür werden angefertigt vom Architekturbüro Recknagel aus Rehau. Die Ausführung des Baues übernimmt das Baugeschäft Anetzberger, Mitterreuth. Schon im Frühjahr 1935 steht der Holzbau. Die Weihe erfolgt durch Prälat Dr. Riemer aus Passau am Johannestage, dem 24. Juni 1935. Die "Holzkirche" wird dem heiligen Josef geweiht.

Nun erfolgt die Errichtung einer eigenen Seelsorgestelle in Schaibing Zug um Zug. Am 1. Mai 1936 wird Kooperator Anton Auer aus Untergriesbach zum ersten ständigen Seelsorger von Schaibing bestellt. Am 1. Juni 1937 wird die Seelsorgegemeinde Schaibing zur Expositur erhoben. Sogleich beginnt man mit der Planung und Vorbereitung für den Bau einer Kirche aus massiven Mauerwerk. 1939 ist bereits ein Vorrat an Baumaterialien vorhanden. Am 4. April 1939 wird der Kirchbau endgültig beschlossen. Da bricht der zweite Weltkrieg aus. Das Vorhaben muß auf unbekannte Zeit verschoben werden. Das vorhandene Baumaterial ist von der Beschlagnahmung bedroht.

Für die Kriegszeit vermerkt der Chronist: Der Krieg wütet. Schaibing weiht sich am 23. Mai 1943 der Gottesmutter. Der Krieg fordert wie überall Opfer. Es ist ein Weinen und Weheklagen. Am 1. Mai 1945 wird Schaibing von amerikanischen Truppen besetzt. Damit ist für dieses Gebiet der Krieg zu Ende.

Gleich nach Kriegsende wird geplant für den Bau eines Pfarrhauses. Da Baumaterial kaum zu haben ist, werden die Ziegel selbst geschlagen und gebrannt. In zähen Verhandlungen wird der Baubehörde die Baugenehmigung abgerungen. Im Spätsommer und Herbst wird der Rohbau des Pfarrhauses erstellt. Im darauffolgenden Sommer erfolgt der Innenausbau. Am 27. September 1946 kann Expositus Auer, der bislang im Anwesen Haselböck gewohnt hat, das neue Pfarrhaus beziehen.

Eine Seelsorgegemeinde braucht auch eine Heimstatt für die Toten. So ist der nächste Schritt die Errichtung eines Friedhofes. An der höchstgelegenen Stelle des Dorfes soll er entstehen, anschließend an die Kirche, die man später hier bauen will. Die ganze Expositurgemeinde hilft durch Spenden, einige Grundeigentümer schenken von ihrem Grund und Boden. So kann im Herbst 1948 und Frühjahr 1949 ein würdiger Gottesacker, umfriedet mit einer schönen Bruchsteinmauer, geschaffen werden. Die kirchliche Weihe erhält der Friedhof am 19. Juli 1949 durch Generalvikar Riemer.

Das Jahr 1951 bringt einen Seelsorgerwechsel. Expositus Auer geht als Pfarrer nach Karpfham im Rottal. Sein Nachfolger wird Kooperator Karl Prinz aus Hauzenberg. Der neue Expositus beginnt tatkräftig mit den Vorbereitungen zum Bau einer Kirche. Die Pläne für den Kirchenbau fertigt Diözesanbaumeister Hornsteiner, Passau. Die Bauausführung erfolgt durch die Firma Anetzberger, Obernzell. Im Frühjahr 1952 kann mit dem Bau begonnen werden.

 

Am 1. Juni, dem Pfingstsonntag, ist die Feier der Grundsteinlegung.

 

 

Nun schreitet der Bau schnell voran. Da wird die allgemeine Freude über das Erstehen des neuen Gotteshauses überschattet von einem Unfall. Am 9. Juli wird der Bergmann Arnulf Kasberger aus Siedlung Ziering beim Sandgraben verschüttet. Am nächsten Tage stirbt er an den Folgen des Unfalls. Mit dem Ausklingen des Sommers ist der Kirchenbau soweit gediehen, dass man am 29. August das Richtfest feiern kann.

 

 

 

Noch ist die Kirche nicht vollendet, werden schon zwei Glocken gekauft. Sie werden gegossen bei der Firma Perner in Passau - Hacklberg. Am 22. März 1953 erhalten sie die krichliche Weihe.