Entdeckung:

 

Genau wie oben beschrieben erging es auch dem Heiligen Grab von Schaibing, aber glücklicherweise mit einem guten Ausgang. Doch alles der Reihe nach:

Für den Krippenbauverein hat die „Sache mit dem Heiligen Grab“ eigentlich schon im Dezember 1995 begonnen, als der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Josef Reischl auf der Suche nach verlegten Nikolausutensilien auf dem Sakristeispeicher eine geschnitzte, rote Siegesfahne entdeckte, die zu einer Figur des auferstandenen Jesus gehören musste. Diese besagte Figur fand er schließlich ganz woandes, nämlich im Kirchturm. Weil jedes Jahr an den Kartagen in der Schaibinger Kirche hinter den Granitsäulen des Marienaltares eine gemalte Darstellung des Leichnams Jesu im Grabe eingeschoben wird, schloss er daraus, dass dies wohl von einem Heiligen Grab stammen müsse. Auf einer höher gelegenen Etage des Kirchturms fand er tatsächlich hinter Brettern und Balken, verdeckt von einem davor gestellten Schrank das vermutete Heilige Grab, schöne Bildtafeln, mit den gemalten Flächen an die Turmwand gestellt. Er teilte seine Entdeckung Pfarrer Lothar Zerer und Kirchenpfleger Josef Gell mit. Man schaffte die Teile zum Zusammenbauen in die Kirche hinunter, merkte bei dem Puzzle-Spiel jedoch sehr bald, dass nicht recht zusammen passen wollte, ja einiges fehle.

                                        

Bild : Hinter Brettern und einem Schrank war das Kunstwerk auf dem Kirchturm gelagert

Bei der Begasungsaktion des Kirchenraumes 1998 veranlasste Kirchenpfleger Josef Gell wohlweißlich, dass die hölzernen Teile des Grabes auch einer Behandlung unterzogen wurden. Nach dem Bau der großen orientalische Weihnachtskrippe im Jahr 2000 wollten die Krippenbauer gleich das alte Kunstwerk restaurieren und der Pfarrei zum 50. Kirchweihjubiläum schenken. Verschiedene Gründe verhinderten jedoch das Vorhaben.

Herkunft:

Das aufgefundene Grab bestand aus 10 Holzteilen. Auf jedem Teilstück ist auf der Rückseite noch der Versandzettel der Deutschen Reichsbahn angebracht aus dem Jahr 193- . Die letzte Zahl ist nicht ausgefüllt worden. Absendeort ist Sulzbach, als Absender ist ein „Sanladerer“ angegeben. Zielort war Untergriesbach. Das religiöse Kunstwerk dürfte also ursprünglich in der Pfarrei Sulzbach im Rottal gestanden haben. In den 30 er Jahren kam es schließlich nach Untergriesbach. Ob es dort aufgebaut wurde, ist nicht mehr feststellbar. Sicher ist zudem, dass in der Pfarrkirche Untergriesbach auf dem Hochaltar einmal ein Heiliges Grab existierte, einige Teile davon sind noch erhalten. Als der damalige Untergriesbacher Kooperator zum 1.März 1936 Expositus (ist ständiger Seelsorger) von Schaibing wurde, hat er das Heilige Grab für die 1935 gebaute hölzerne Notkirche mitgebracht. Ältere Pfarrbürger können sich noch gut daran erinnern, wie es in der Karwoche vorne links aufgestellt war und mit den flackernden Lichtern hinter den farbigen Glaskugeln immer so weihevoll und gespenstisch gewirkt hat. Gelagert war es das Jahr über in der nahen Scheune des Bauernhofes Kümmeringer. Nach 18 Jahren machte das Grab den Umzug in die im September 1953 geweihte neue Kirche zwar mit, es landete aber dann doch als „altes Gelump“ auf einer Etage des Kirchturmes, weil es in dem modernen Kirchenraum nicht mehr zu passen schien.

Und gerade über diesen Umstand sind Josef Reischl und Kirchenpfleger Josef Gell überaus glücklich, weil die einfache, aber sinnenhafte Darstellung des Ostergeschehens in der Euphorie des „Betonzeitalters“ in den 50 er und 60 er Jahren nicht der allgemeinen Zerstörungswut in den Kirchen zum Opfer gefallen ist, sondern in einen über 50 jährigen „Dornröschenschlaf“ im Schaibinger Kirchturm geschickt wurde, aus dem es nun die Krippenbauer erweckt haben

BGR Karl Prinz (Pfarrer in Schaibing von 1951 bis 1960) und BGR Paul Poppe(Pfarrer in Schaibing von 1963 bis 1994) wurden über das Hl. Grab befragt. Beide sagten, sie wüssten nichts von einem Heiligen Grab in der Schaibinger Pfarrkirche. Auch die langjährige Mesnerin Therese Vogl und ihr Gatte bestätigten, ihnen sei nie etwas von einem Heiligen Grab untergekommen. Sie alle kannten nur die Gemäldetafel mit dem Leichnam Jesu, die immer unter den Seitenaltar eingeschoben wurde. So gut war also das Heilige Grab auf dem Turm aufgeräumt!